OE: Lockgeschenke für “Problemeltern”

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Oer-Erkenschwick hat es mal wieder in die überregionale Presse geschafft. Diesmal nicht mit einem Feuerwehr-Skandal, aber mit einem qualitativ nicht unbedingt unähnlich gelagertem Vorstoß.
100 Euro Prämie für pünktlichen Schulbesuch” titelt SpOn momentan. Die ganze Idee war vor Wochen schon durch die Lokalpresse gegangen, hat aber - wahrscheinlich auf Grund der utopisch dystopisch anmutenden Unausgegorenheit des Ansatzes - keine großen Wellen geschlagen.
Glaubt man dem Spiegel-Artikel, liegt der Ansatz jetzt tatsächlich beim Landesjugendamt NRW und wartet dort auf seine Bearbeitung. Finanzielles Volumen des eindeutig als “Experiment” bezeichneten Projekts: 23.000€, 16.000 davon aus Landesmitteln.
Das grundlegende Prinzip ist dabei recht schnell erklärt:

“So sieht das Konzept aus: 100 Bonuskarten sollen versuchsweise an die zehn örtlichen Schulen verteilt werden, an die 13 Kindergärten, an den Allgemeinen Sozialen Dienst und an das Jugendamt - also etwa drei Karten an jede Institution. Lehrer und Pädagogen sollen sie dann an Problemeltern verteilen und mit ihnen konkrete Vereinbarungen treffen. Etwa: “Sie bekommen einen Stempel für jeden Tag, an dem Sie Ihren Sohn pünktlich wecken und dafür sorgen, dass er zu Schule geht.” (Quelle)

Toll, oder? Da wird jenen, die ihren elterlichen, vielleicht auch bürgerlichen Pflichten bisher nicht nachkommen eine Belohnung dafür in Aussicht gestellt, dass sie das sicherstellen, was generell von ihnen erwartet wird und was ihren Kindern zu Gute kommt - kostenlos. Jene, die nicht zu den “Problemeltern” gezählt werden, weil sie vielleicht trotz Arbeitslosigkeit, Krankheit oder was auch immer morgens um 6 oder 7 Uhr aufstehen, die Kinder wecken, Frühstück machen und die Kleinen vielleicht noch zur Schule begleiten, gehen indes leer aus.
Der Umweg über die Bonuskarte, um Genussgüter wie Tabak und Alkohol als Belohnung auszusparen, ist natürlich absolut blauäugig. Es gibt da so ein Prinzip, ziemlich alt, nennt sich “Tauschen”. Sollte der Oer-Erkenschwicker eigentlich gut kennen, denn hier wurde in den kalten Wintern vor ‘45 (und wahrscheinlich auch noch danach) gerne mal Kohle vom lokalen Pütt gegen anderes “getauscht”.
Vielleicht könnte man für das Geld auch ein paar Kräfte einstellen, die die säumigen Kids morgens aus den Federn klingeln und zur Penne schleifen. Abgesehen davon, dass man natürlich auch die Aufklärungsarbeit bezüglich eines von Bildung abhängenden Berufs- und letztlich vielleicht auch Lebenserfolges bei den “Problemeltern” unterstützen könnte, sollte, müsste…
Insgesamt muss man fast froh sein, dass das finanzielle Volumen sich “nur” auf 23.000€, davon letztlich 7.000€ aus der Stadtkasse beläuft. Für diese recht kleine Investition kann man fast schon entspannt auf die Ergebnisse des Experiments warten.

Martin @ Januar 27, 2009

“Regenbogenfisch” versagt in Oer-Erkenschwick

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Von Tamins heutigem Eintrag in ihrem Blog erfahre ich grade, dass es bei der gestrigen Vorstellung des Kinder-Musicals “Der Regenbogenfisch” in der Stadthalle Oer-Erkenschwick zu einem ungeheuerlichen Fauxpas kam. Man hatte die Kostüme vergessen.
Aussehen soll das ganze wohl ungefähr so. Schön bunt, schön phantasievoll, schön übertrieben - für Kids ab 4 Jahren also interessant und leicht zu verfolgen. Trotzdem entschied man sich offenbar, die Vorstellung durchzuziehen und bei dem Kinder-Musical “Regenbogenfisch” - Hallo! Regenbogen! - auf die Kostüme zu verzichten.

“Schauspieler in Jeans und T-Shirts […] – von Glitzerschuppen keine Spur.” (Quelle)

Tamina schildert weiter die beobachtbare Langeweile der Kleinen und die Wut der Großen. Denn: die Karten kosteten etwa 15€ - einen Preisnachlass für die Kids konnte ich bisher nirgends ausmachen. Und Vierjährige gehen eher selten alleine durch die Stadt und in ein Musical… Da kommt also ganz schön was zusammen, wenn Mama noch mitkommt und vielleicht auch doch der Bruder oder die Schwester, vielleicht auch noch Papa oder die Großeltern.
Man könnte jetzt Parallelen aufbauen: Theaterprojekte wie Faust II für Hauptschüler oder Warten auf Godot für Sonderschüler, vielleicht auch noch Leben des Galilei für Grundschüler. Sie alle wären wie der kostümlose “Regenbogenfisch” vermutlich vor allem eins: absolute Fehltritte.
Stellt sich die Frage, warum man die Veranstaltung in Oer-Erkenschwick dann trotzdem ohne Kostüme durchgezogen hat. Warum hat man sie nicht abgesagt und den Termin verschoben, alternativ die Rückgabe der Karten eingeräumt? Und was sagt das tatsächliche Vorgehen über die theaterpädagogische Professionaliät des Projektes aus?

Martin @ November 24, 2008

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